22. Thüringer 24-Stunden-OL
31. Mai - 2. Juni 2019

Hallo an alle zukünftigen Teilnehmer des 22. Internationalen Thüringer 24-Stunden-Orientierungslaufes !

Neuigkeiten zu Gelände, Bahnen und Ablauf

Wir freuen uns, euch alle im Waldbad in Wolfersdorf begrüßen zu dürfen. Dank eurer vielen Anregungen haben wir das System des Wettkampfes in einigen Bereichen modifiziert. So gibt es nur noch EASY- und DIFFICULT-Strecken, die Unterteilung in Lang und Kurz fällt weg.

Des Weiteren gibt es eine EASY- bzw. DIFFICULT-Variante der Startbahnen und somit am Samstag um 9 Uhr einen Massenstart mit 2 Startrichtungen: den der leichten und den der schweren Bahnen.

Geländebeschreibung

Der Wald ist insgesamt sehr abwechslungsreich. Eben noch seht ihr nicht, wo eure Füße landen, da alles voll mit Jungbäumen, Gras, Blaubeeren, Geäst und Farn ist. Dann taucht unvermittelt glatter Waldboden auf, um ebenso schnell zum dicksten Dickicht zu werden. Der Waldbestand setzt sich zum großen Teil aus Nadelbäumen und recht vielen markanten Buchen und Eichen zusammen sowie solche, die noch markant werden wollen. Auch Hochstände bieten sich oft als Orientierungsmerkmale an. Den steilen Hang im Osten und Südosten der Karte haben einige von euch sicher noch in Erinnerung, der Rest des Waldes untergliedert sich in nicht ganz so steile Anstiege rund um 3 große Täler. Es wird nur halb so bergig wie in Etterwinden: die zurückzulegenden Höhenmeter in den 24 Stunden belaufen sich auf ca. 4500 Meter!

Im Wolfersdorfer Wald gab es in den letzten Jahren auch einige Forstmaßnahmen. Viele Wege gleichen eher Baustellenauffahrten als Wegen. So wird nicht oder nur selten wie vor 500 Jahren mit Pferden gearbeitet, auch wenn ein Wolfersdorfer das Holzrücken mit 2 starken Kaltblüter anbietet, sondern z.B. mit einer starken Maschine und einem senkrecht stehendem Schild ein „Weg“ in den Wald geschoben, der dann von schweren Forstmaschinen befahren wird. Die Maschinenwege wechseln stark im Charakter. So können sie stellenweise stark überwachsen und manchmal tief verschlammt sein. Manche von ihnen sind mit Gras bestanden wie schöne Lichtungen, andere dafür stellenweise kaum zu sehen. In diesem Jahr ist der Baumbestand an einigen Stellen des Waldes von so vielen Borkenkäfern befallen worden, dass diese Fichten endgültig abgestorben sind. Der heutige Förster hat die kranken Bäume mit einem violetten „K“ gekennzeichnet. Ob es vor 500 Jahren auch schon so war, dass der Borkenkäfer als Schädling betrachtet wurde? Die Zusammensetzung der Wälder war damals ganz anders als heute: so gab es vornehmlich Laubbäume und die Nadelbäume bildeten im Vergleich zu heute die Ausnahme. Im Wald befinden sich im Schnitt gut 100 Wurzelstöcke pro Quadratkilometer und kilometerlange Spuren und Fragmente alter Forstmaschinenbewegungen. Beides ist in der Orientierungslaufkarte nicht dargestellt.

Start und Mottobahnen

Verändert ist diesmal auch die technische Abfolge des Laufes: Die 6 FF-Strecken (Mottobahnen), die bisher jedem Läufer am Ende des Laufes zur Verfügung standen, werden nun als erstes absolviert. Das in den FF-Strecken gewünschte Kopf-an-Kopf-Rennen fand am Ende der 24 Stunden eher selten statt, also legen wir es an den Anfang, wenn ihr noch alle frisch seid!

Beim 20. Thüringer 24-Stunden-Orientierungslauf habe ich mir das erste Mal für die FF-Strecken Mottos ausgedacht. Vielleicht erinnert ihr euch an „Ein Lauf mit Herz“, „Schon gesee(h)n“ und andere Streckentitel. Dies sind nun eure 6 Mottobahnen.Dementsprechend gibt es also nun nur noch eine FF-Bahn und dafür 6 Strecken, die sofort am Anfang zu laufen sind. Die Strecken sind so konzipiert, dass möglichst alle 6 Staffelmitglieder das Staffelfieber miterleben dürfen und die ersten 2 bis 3 Stunden des Wettkampfgeschehens ein heißes Kopf-an-Kopf-Rennen herrscht. Nach 130 bis 140 Minuten sollten die schnellsten Staffeln die 6 am Anfang zu laufenden Mottobahnen absolviert haben und dann wie gewohnt auf die Tagbahnen gehen. Ich möchte schon an dieser Stelle darauf hinweisen: wenn die meisten Staffeln in den ersten 2 bis 3 Stunden schon 6 Strecken absolvieren, wird es räumlich eng werden im WKZ und vor allem im Bereich Endposten/ Zieleinlauf/ Wechsel und Pflichtstrecke zum Startdreieck. Bitte nehmt Rücksicht aufeinander!

Wenn die Startphase um ist, also alle 6 Mottobahnen absolviert wurden, wird es wieder ruhiger werden im WKZ und zwischen Endposten und Startposten. Helft uns bitte, dass im Wechselbereich kein Chaos entsteht und niemand verletzt wird! Denn neu ist diesmal auch, dass ihr eine sehr kurze Einlaufstrecke habt. Zwischen dem Wechsel und dem Startdreieck liegen kaum 100 Meter. Die Anzeige der einlaufenden Läufer wird dennoch wie gewohnt ca. 30-60 Sekunden bevor der Wettkämpfer am Wechsel ist, erfolgen.

Vorüberlegungen zu den Mottobahnen:

Das Waldgebiet ist seit hunderten Jahren königliches und fürstliches Jagdgebiet gewesen. So gab es schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Wolfersdorf ein fürstliches Jagdhaus. Auf dessen Ruinen wurde später das Schloss „Fröhliche Wiederkunft“ in Wolfersdorf errichtet. Vielleicht findet ihr Zeit, euch ein wenig die Umgebung anzusehen. Nach dem Lauf könnt ihr bei Wanderungen durch den Wettkampfwald von spannenden Sagen lesen. Die herzoglichen Grabstätten zwischen Trockenborn und Wolfersdorf laden zur Erkundung ein und auch die Jagdanlage Rieseneck bei Hummelshain bietet einen Einblick in vergangene Zeiten. Auf der nahen Leuchtenburg bei Kahla ist sogar ein Hundeschädel präpariert. Mit diesem und anderen Hunden in seiner Größe wurden damals Bären gejagt! Ebenfalls lädt zur Erkundung der hydraulische Widder ein, welchen ihr im Schüsselgrund findet. So liegt es für mich nahe, das Thema der Mottobahnen ein wenig geschichtlich einzubetten.

Die Mottobahnen:

TH1 - Ein weiter Weg, in langer Knechtschaft

Die Staffeln, die wie gewohnt eine halbstündige und schwerere Herausforderung am Anfang genießen dürfen, starten auf dieser 5 km langen Strecke. Die erlauchten Damen und Herren hätten wohl ein sehr anstrengendes Leben führen müssen, wenn da nicht die Arbeitskraft des gemeinen Volkes zur Verfügung gestanden hätte. So werdet ihr auf diesem weiten Weg so einige Orte im Wald erkunden, zu denen das gemeine Volk in langer Knechtschaft wahrscheinlich weite Wege zurücklegte. Die Zeugnisse der Knechte und Arbeiter der Fürsten, Kaiser, Könige und Herzöge sind im ganzen Wald verteilt. So werdet ihr einen Einblick in 4 Berufsgruppen bekommen.

TH3 - Kaiserlich und Königlich, kurz und knackig

Teams mit einer geraden Startnummer starten auf dieser Strecke. Hier werden sich erfahrene Orientierungsläufer nicht langweilen. Auch Sportler, die eher wenig OL-Erfahrung haben, kommen auf ihre Kosten. Die Posten stehen dicht beieinander, das Feld wird auf den 2,4 km vermutlich die gesamte Zeit in Sichtweite miteinander laufen. 13 Posten verteilen sich auf kurzen und dennoch knackig bergigen Teilstrecken. Die erlauchten KaiserInnen und KönigInnen können auf der Strecke die fleißige Arbeit ihrer Knechtschaft begutachten - die dichten Junganpflanzungen werden ebenso wie die Buchen der Förster und die Meiler der Köhler Thema auf dieser Strecke sein - eine Stippvisite durch den Wald.

TH2 - Jagt ihr euch im Jagdrevier

Hier geht es auf den Spuren der Jäger durch den Wald. Auch wenn die Kaiser und Könige ihre Jagdgesellschaften in vornehmer Begleitung abhielten, brauchte der Wald die Jäger, die sich in der Zeit, in der gerade mal keine Jagden ausgetragen wurden, um den Bestand der Waldtiere kümmerten. Ob sie damals dann auch Bären jagten, oder das aber den Kaisern und Königen vorbehalten war, weiß ich nicht. Diese Strecke stellt mit 3,5 km die längste und auch die schwerste der leichten  Mottobahnen dar. Vielleicht erinnern sich ja einige noch an die im Wald auf hübsch illustrierten Tafeln des Wolfersdorfer Heimatvereins beschriebene Sage um den Bären und das verwunschene Dorf im Kalten Tal: ab dem Moment, ab dem der zornige Brautvater in spe sich in einen grauen Bären verwandelt hatte, und der Jäger dann wochenlang mal keinen Jagderfolg hatte, wird es nötig, sich an den Fischer zu wenden.

TH4 - Karpfen blau

Mich begeistern seit Kindertagen die vielen angelegten Teiche Thüringens. So gab es in Karolinenfield die Strecke „Schon gesee(h)n“ und in Etterwinden nannte ich sie von „Teich zu Teich“. Eine absolute Laufstrecke, denn die Teiche liegen zumeist an den Wegen. Im Oktober der Jahre werden die Teiche seit jeher abgelassen und die Fische - zumeist Karpfen - werden eingesammelt, gewogen und dann verarbeitet. Ein feucht fröhliches Spektakel mit Bergen an Schmalz- und Hackepeterbrötchen. Ich durfte es 2010 bei der Kartenaufnahme hier in Wolfersdorf miterleben. Da die Teiche jedoch nicht allzu tief und dafür umso schlammiger sind, empfiehlt es sich, die Karpfen nach dem Abfischen erst einmal ein bis zwei Wochen in klarem Wasser schwimmen zu lassen. Ihr könnt direkt an der Straße zwischen dem Schloss in Wolfersdorf und dem Waldbad einige abgeschlossene Boxen am Rand des Baches entdecken. In diesen werden die Karpfen nach dem Abfischen durch das klare Bachwasser entschlammt. Wer keine solche Box sein Eigen nennt und dennoch schlammfrei essen mag, verzichtet diese 2 Wochen lang auf seine Badewanne. Östlich der Straße zwischen Neustadt an der Orla und Wolfersdorf befindet sich ein Naturschutzgebiet. In diesem und der Umgebung reihen sich über 100 Teiche dicht an dicht- habt ihr das schon gesee(h)n?

TH5 - Förster im Wald

Wenn der Köhler nicht vom zornigen Brautvater in spe erschlagen wurde und sehr fleißig war, dann wurde der Wald bald lichter. So war es im Ursprung des Försters Aufgabe, den Baumbestand wieder herzustellen. Interessanterweise ist die Forstwirtschaft im hauptsächlich durch die Köhlerei betriebenen Raubbau am Wald begründet. Der Förster betreut tausende von Jungbäumen. Von so genannten Schädlingen befallene Bäume musste er fällen, neue Bäume dafür pflanzen. Auf seiner Forstrunde muss der Förster auch die feuchten Bereiche des Waldes trockenlegen, damit die Bäume auch einen Boden haben, auf dem sie gut wurzeln können. Hierzu muss er Gräben und Rinnen anlegen. Auch diese sind Zeugnisse eine professionellen Forstwirtschaft. Am Ende seiner Runde kommt der Förster dann am Ortsrand an, von dem aus er einen neidischen Blick auf das schöne Schloss werfen kann, in dem er vermutlich nie geladener Gast wird.

TH6 - Holz und Kohle auf ebener Sohle

Rohen Fisch mag der graue Bär wahrscheinlich lieber als den Rehen hinterherzujagen. Geräuchert über Buchenholz ist er haltbar zu machen und im Holzkohle befeuerten Herd auch zu braten. So musste der Köhler jede Menge Holzkohle herstellen: Bäume fällen, eine ebene Fläche im Wald anlegen - am bestem am Hang. Da konnte man die Bäume oben fällen und dank der Schwerkraft dann ein wenig einfacher in Richtung Meiler transportieren. 2017 in Etterwinden gab es gut 150 Meilerflächen auf den 7 km² der Karte. Ich vermute, dass die Nähe zur großen Burganlage der Wartburg hierfür die Ursache war. Dort mussten viele Feuer lodern, um nicht nur den Karpfen Blau zu braten, sondern auch, um beim Schlafen hinter kalten Burgmauern nicht zu frieren. Ganz wichtig war es allerding auch die Eisen- und Glasherstellung am Laufen zu halten. Ich entdeckte im Wolfersdorfer Wald nur wenige Meilerflächen. Aus diesem Grund lasse ich euch hier nicht „Meilerweit“ laufen, sondern ihr dürft den Arbeitsweg des Köhlers zwischen Baum und Meiler zurücklegen, an der Köhlerhütte Rast halten und dann zum zweiten Teil der Runde aufbrechen. Eure Rast wird wahrscheinlich nicht allzu lange andauern, da die Gesamtlänge der Strecke mit 2,4 km sehr überschaubar ist.

24-Stunden-Orientierungslauf

Die erste LäuferIn in eurem Team startet auf einer der beiden Mottobahnen: „TH1 - Ein weiter Weg, in langer Knechtschaft“ oder „TH3 - Kaiserlich und Königlich, Kurz und Knackig“. Anschließend folgt Mottobahn 2 (TH2 – Jagt ihr euch im Jagdrevier).  Auf welchem beruflichem Weg dann die Läufer auf den Positionen 3 bis 6 wandeln, wandern, flitzen, keuchen oder kriechen, bleibt euch überlassen. Es wird natürlich an einer dieser Positionen den Ausgleich zur ersten gelaufenen Strecke geben, das Team bekommt das jeweilige Äquivalent zur ersten Mottobahn. Wenn ihr die 6 Mottobahnen absolviert habt, könnt ihr dann wie gehabt frei aus einem Pool an Strecken wählen, die sich in Easy und Difficult, jeweils Tag und Nacht, untergliedern und von 1,7 km bis 8,5 km feinstufig abgestimmt sind. Am Abend geht es bekanntermaßen auf 2 leichte Dämmerungsbahnen, danach in die Nacht. Wir erwarten so einige Läufer am Sonntagmorgen auf der letzten Strecke, der FF, zu sehen!

12-Stunden-Orientierungslauf

Die Teams, die 12 Stunden laufen, reihen sich in das Startprozedere der Mottobahnen mit ein, absolvieren danach die Tagstrecken und gehen dann auf die finalen Bahnen. Diese bestehen wie gehabt aus den beiden Dämmerungsbahnen der 24-Stundenstaffel. Wenn der Zieleinlauf vor Ablauf der 12 Stunden mit allen Bahnen absolviert wird, hat euer Team eine Gesamtstrecke von 100 km und 2400 Höhenmetern zurückgelegt.

6 –Stunden-Jugendstaffel

Wie auch schon vor 2 Jahren in Etterwinden haben wir an einer Jugendvariante des Thüringer 24-Stunden-Orientierungslaufes gearbeitet und können den Kindern und Jugendlichen eine Staffel anbieten. Hier können 3 bis 6 LäuferInnen in 6 Stunden insgesamt 13 Strecken zurücklegen, bis sie dann auf die beiden finalen Strecken gehen. Euch erwartet ein Streckenangebot mit 30 km Länge und einer Steigung von 1000 Metern. Es gibt eine gegabelte Startstrecke und im Anschluss könnt ihr frei aus einem Bahnangebot aus 5 Strecken der Altersklasse D/H 10; 5 Strecken der Altersklasse D/H 12 sowie 2 Strecken der Altersklasse D/H 14 auswählen. Die beiden FF-Bahnen der 6-Stundenstaffel sind im Orientierungsanspruch einfach gehalten und könnten in einem Kopf-an-Kopf-Rennen am Ende der 6 Stunden das Zünglein an der Waage werden!

Ich freue mich auf euch und schönes Wetter, euer Bahnleger und Kartenaufnehmer Karsten!